Über das Werk
„Cybele“ ist eine bewusste Gegenbewegung zu den lauten Neonarbeiten: reduziert, körperlich, still. Im schmalen Querformat liegt eine Figur diagonal im Bild, den Kopf auf den Arm gebettet. Die Pose wirkt nicht inszeniert, eher wie ein Moment des Rückzugs. Dadurch entsteht Intimität, ohne Voyeurismus: Die Figur gehört sich selbst.
Die Palette ist erdig und gebrochen – Beige, Ocker, Braun und milchige Weißtöne – und wird von einem kühlen Blau im Hintergrund gehalten. Diese Gegenüberstellung macht die Körperzone warm und nah, während der Hintergrund Distanz schafft. Besonders wichtig ist die Materialität: Die Oberfläche ist sichtbar strukturiert, teils spachtelartig, mit rauen Aufbauten und Relief. Das Acryl wird zur Haut im doppelten Sinn: als Farbe und als Textur.
Kompositorisch nutzt das Werk die Breite, um Atmung zu erzeugen. Viel Raum liegt um die Figur; nichts drängt. Konturen sind nicht hart gezogen, sondern ergeben sich aus Tonwertwechseln und Pinselrichtungen. Dunklere Linien im Haar und an wenigen Kanten setzen Halt, während der Rest in Flächen „atmet“. Aus der Nähe wirkt „Cybele“ fast haptisch; aus der Distanz ruhig und geschlossen.
Als Original-Unikat ist es ein Sammlerstück für Räume, die nicht schreien sollen, aber Haltung zeigen: eine zeitgenössische Figurarbeit, die über Struktur, Raum und Zurückhaltung ihre Stärke entfaltet.
--- Künstlerin: carographic by Carolyn Mielke ---