Über das Werk
„Smile for me“ spielt mit dem Versprechen des perfekten Moments – und sabotiert ihn zugleich. Das Gesicht füllt das Format, der Blick sitzt direkt, aber Haarlinien schneiden wie zufällige Barrieren durchs Bild. In dieser Überlagerung entsteht eine reizvolle Ambivalenz: Zugänglichkeit (das Lächeln) trifft auf Distanz (die Strähnen als visueller Filter).
Die Palette ist auf Spannung gebaut. Türkis, Ultramarin und helle Gelbtöne setzen vibrierende Kälte gegen warme Lichtinseln. Farbflächen sind nicht weich modelliert, sondern wie Mosaikstücke gesetzt: kurze, entschlossene Pinselbewegungen, die Konturen immer wieder neu definieren. Die Sprenkel im unteren Bereich erhöhen die Bewegung – als läge ein Hauch von Lautstärke in der Luft, ein Echo von Bühne, Blitzlicht, Öffentlichkeit.
Materialität und Blickführung greifen ineinander. Dickere Farbstellen geben den Wangen und Lippen Gewicht, während dünnere Passagen den Hintergrund atmen lassen. Das Lächeln wirkt dadurch nicht dekorativ, sondern „gemacht“ – als Maske, die in der Malerei ihre Risse zeigt. Genau diese Risse machen den Reiz: Das Porträt ist weniger Abbild als Stimmung, weniger Person als Bildfigur.
Der Raum bleibt bewusst komprimiert. Nähe entsteht durch den Anschnitt, Spannung durch die Störungen im Bild. „Smile for me“ ist ein energiegeladenes Original, das Pop-Anmutung, expressive Malweise und psychologischen Unterton verbindet – attraktiv im Interior, stark in der Präsenz, eindeutig als Unikat.
--- Künstlerin: carographic by Carolyn Mielke ---