Über das Werk
Diese „Karmen“ ist Nähe als Konzept. Das Gesicht ist so dicht кадriert, dass ein Auge zum Hauptmotiv wird – ein leuchtender Fokus, der den Betrachter sofort bindet. Strähnen ziehen wie Linien über die Fläche, kreuzen Wange und Stirn und erzeugen eine Art visuelles Gitter. Dadurch entsteht Spannung zwischen Offenbarung (Auge, Blick) und Verdeckung (Haar, Schnitt).
Die Farbdramaturgie wird von Neon-Gelb getragen, das wie ein inneres Licht aus dem Bild heraus strahlt. Darauf liegen Türkis-, Petrol- und graue Flächen, die das Gesicht in klaren Volumenblöcken modellieren. Splatterpunkte und kleine Sprenkel geben dem Werk Körnung – ein Hinweis auf Geschwindigkeit und Prozess, nicht auf Glätte. Acryl zeigt sich hier als Schichttechnik: deckende Felder, schnelle Korrekturen, harte Kanten und bewusst stehen gelassene Übergänge.
Raum entsteht weniger durch Perspektive als durch Überlagerung. Das Haar liegt „vor“ dem Gesicht, das Neonfeld drückt „hinter“ die Hauttöne, und die dunkleren Schatten setzen Tiefe in Augenhöhle und Mundzone. Der Ausdruck bleibt ambivalent: ein halbes Lächeln, halb Herausforderung. Im Hochformat wirkt das Porträt wie ein Ausschnitt aus einem größeren Moment – als hätte man eine Sekunde herausgeschnitten, die zu nah ist, um bequem zu sein. Als Original-Unikat ist diese Arbeit für Sammler*innen interessant, die Intensität suchen: ein Bild, das nicht erzählt, sondern trifft.
--- Künstlerin: carographic by Carolyn Mielke ---