Über das Werk
„Von der Hand in den Mund“ ist als Konfrontation auf Nähe gebaut. Augen, Nase, Mund und die Hand füllen das Bild fast vollständig; der Hintergrund wird zur Randnotiz. Die Geste – Finger an der Wange, die Hand über dem Mund – liest sich wie ein angehaltener Satz: zwischen Selbstschutz, Scham, Trotz und Kontrolle. Der Blick bleibt groß und wach, nicht sentimental, eher beobachtend.
Die Farbigkeit ist konzentriert und erdig. Braun-, Ocker- und kupfrige Nuancen modellieren das Gesicht in blockhaften Pinselpassagen. Die Flächen wechseln zwischen Deckkraft und transparenteren Schichten, wodurch Volumen entsteht, ohne weichgezeichnet zu wirken. Konturen sind klar, aber nicht geschniegelt: Kanten fransen aus, kleine Tonverschiebungen setzen Spannung in den Augenhöhlen und um den Mund. Die Materialität des Acryls bleibt sichtbar – als Spur der Entscheidung.
Die Raumwirkung entsteht nicht über Tiefe, sondern über Nähe. Man steht dem Motiv „zu dicht“ gegenüber, was den psychologischen Druck erhöht. Die Hand fungiert als Barriere und als Fokuspunkt zugleich: Sie blockiert, lenkt, markiert eine Grenze. Gerade dadurch wird das Porträt zur Projektionsfläche für das Thema Sprache – das Ungesagte ist präsent.
Im quadratischen Format (100 × 100 cm) wirkt das Werk wie ein ruhiger, aber harter Blickkontakt. Als Original und Unikat ist es interessant für Sammler*innen, die ein Porträt mit Kante suchen: warm in der Palette, kompromisslos in der Geste – und dauerhaft stark, weil es Fragen offen lässt.
--- Künstlerin: carographic by Carolyn Mielke ---