Über das Werk
„Florence“ ist ein Doppelporträt, das zwei weibliche Figuren in einem gemeinsamen, vielschichtig aufgebauten Bildraum zusammenführt. Die eine Figur steht höher und profilierter im Bild, die andere liegt tiefer und erscheint wie ein zweites Gegenüber oder Echo. Gerade diese Staffelung macht das Werk besonders. Es geht nicht um zwei gleichwertig nebeneinandergesetzte Porträts, sondern um Überlagerung, Nähe und eine Bildordnung, in der beide Figuren denselben Raum beanspruchen, ohne völlig deckungsgleich zu werden.
Die Farbpalette ist deutlich zurückhaltender als bei den neonstarken Pop-Arbeiten derselben Werkgruppe. Blau, Rot, Beige, Sandtöne und gebrochene helle Flächen bilden eine ruhige, erwachsene Bildtemperatur. Diese Farben wirken nicht dekorativ, sondern tragen den Eindruck von Reibung, Erinnerung und Körperlichkeit. Der Hintergrund bleibt offen und von Kratzspuren, Schleifern, Wischungen und gestischen Eingriffen durchzogen. Dadurch erhält das Werk eine atmosphärische Dichte, die weniger auf Signalwirkung als auf Schichtung und langsame Wahrnehmung setzt.
Auffällig ist, wie stark die Malerei selbst das Thema Beziehung trägt. Konturen bleiben an manchen Stellen scharf, an anderen lösen sie sich in Spuren und Überlagerungen auf. Die beiden Köpfe erscheinen dadurch zugleich verbunden und getrennt. Blickrichtungen, Halslinien und Schulterzonen arbeiten gegeneinander und erzeugen ein leises Spannungsfeld, das im Bild bleibt, ohne theatralisch zu werden. Gerade diese Uneindeutigkeit macht „Florence“ nachhaltig: Das Werk erzählt nicht explizit, aber es hält einen Zustand von Nähe und Distanz offen.
Im Format von 80 x 100 cm besitzt „Florence“ eine kompakte, konzentrierte Präsenz. Das Werk wirkt aus der Ferne als starke figurative Einheit und öffnet sich aus der Nähe über Strukturen, Schichten, Kratzspuren und farbige Verschiebungen. Als Originalgemälde von carographic by Carolyn Mielke steht „Florence“ für zeitgenössische figurative Malerei in Acryl, die zwei weibliche Figuren, überlagerte Blickrichtungen und ruhige Farbspannung zu einer vielschichtigen Bildform verbindet.